Als Bewohner einer 60er-Jahre Hochhauswohnung kann man in Szenekreisen ganz gut punkten. Denn die Architektur der 60er mit ihrem eher unauffälligen Charme wird gerade wiederentdeckt. So weit, dass der Denkmalschutz auf den Plan tritt, ist es allerdings noch nicht.
Genau hinzuschauen lohnt sich etwa beim Bull-Haus in Mühlheim. Im Grundriss sieht es aus wie ein gezacktes V. Blickt man an der Südwest-Spitze empor, zeigt sich ein Turm übereck aufeinandergeschichteter Betonplatten. Sie bilden schwebende Dreiecke aus, indem ihr vorderes Drittel loggienartig offen gelassen wurde. Nach Norden hin fächern sich beide Flanken in zwei weitere Flügel auf. Die Rückseite schützt als geschlossene Front gegen Lärm. Hier ist zwischen den Flügeln des Gebäudes das Erschließungssystem untergebracht. 16 Geschosse ruhen auf einem breiten zweistöckigen Sockel. Mit der Mehransichtigkeit der Fassade und ihrer Verräumlichung durch Loggien griff der Architekt schon früh Gestaltungsmerkmale auf, die charakteristisch für die 70er werden sollten.
Auftraggeber für das Gebäude war die Firma Bull Deutschland, die im Sommer 1961 in die beiden Sockelgeschosse einzog. Ihr Name stammt von dem 1882 geborenen norwegischen Ingenieur Fredrik Rosing Bull, dessen Patente für Lochkartenmaschinen die Compagnie des Machines Bull (CMB) zum Flaggschiff der französischen Datenverarbeitung machte. Die restlichen Geschosse wurden vermietet und gehörten zu den ersten Hochhauswohnungen Kölns.
Architekt war der aus Bochum stammende Karl Hell, dessen bekanntestes Bauwerk das Feierabendhaus Knapsack in Hürth ist. Es gehört mit seinem kühn geschwungenen Dach einer Strömung innerhalb der späten 50er- und 60er-Jahre an, die sich durch Experimentierfreude und Dynamik auszeichnete. Kennzeichen waren die ungeheuren Spannweiten, die der Beton bietet.
